KUNST, bildende, performative und trans-mediale, hat ihre eigene raum/zeit. sie ist un/abhängig von den machtökonomien, die durch ihre audio-visuellen repräsentationswerkzeuge den alltag dominieren. im “/” des un/abhängigseins liegt ihr potential, ihre kritikfähigkeit, der aufruf zu transgression und reflexion. jede arbeit ist eine ver/ handlung innerhalb der dynamik, die der “/” bewirkt. “transgression” schließt also immer auch eine identifikation mt der dominanten matrix mit ein. im sinne der auflösung binären denkens in richtung “multitude”, geht es also nicht um opposition, sondern um diese (ver-) handlungen, die die leerstellen in den machtsystemem bespielen. trans-gender ver/ handlungen sind hier beispielhaft, weil nur die (teilweise) identifikation mit der dominanten, heteronormativen matrix das gesellschaftliche, ökonomsche und sexuelle überleben sichern kann. kleidung, accessories, namen, wortwahl, gesten, berufe, zugehörigkeit zu gruppen und mitmischen an diskursen etc. unterliegen immerfort dem potential, aber auch dem (kapitalistschen) gebot der veränderung, also einer ständigen neu-konfiguration.es ist die aufgabe der kunst und ihrer rezipentInnen der kapitalistischen konsumentenfang-praxis des “create yourself (by shopping)” ein schnippchen zu schlagen und raum/zeiten für alternative. bewußtseins- und ver/ handlungsstrukturen mitzugestalten.

(c) w.kirchner

(c) w.kirchner
1 Comment so far
Leave a comment
Die Sprache der oberflächlichen Freiheit
Die Mode der Freiheit im Kunstraum. Eigentlich ist Mode das Gegenteil. Eigentlich ist die Frage was als nächstes kommt irrelevant. Eigentlich ist der Raum keine Lounge, es ist noch immer eine Simulation von Wohlgefühl oder wie auch immer man das bezeichnen möchte. Das Zeitgenössische hat noch keine eigene Sprache entwickelt.
An der persönlichen Oberfläche zeigt sich der inneren Zustand, die Haltung und Position das heißt das Design ist genutzte Sprache, egal wie ich zur Trendfrage stehe. Sie steht in Opposition zu irgendeiner Menge von Leuten, aber gleichzeitig stellt sie das Individuum in irgendeinen Kontext.
Und eigentlich werden im Ansatz und Kern des Projekts, abstrakt gesprochen, Codes verhandelt, Gesellschafts-, Denk-, Sprach- und Symbolcodes. Design von Oberflächen und Struktur und die damit verbundene Mode hat sich zu einer weithin kommunizierten, meist stereotypen, Weltsprache entwickelt. Unsere Kommunikation läuft schon jetzt zum größeren Teil über Bilder, über Zeichen und Signale, Körpersprache und Bewegungsmuster passen zum Outfit. In der sich immer weiter globalisierenden Welt mit ihren vielen Sprachen kommuniziert sich die, nicht an Worte gebundene, Bildsprache leichter.
Die Werbung spielt mit schön und schräg den Background-roller zum täglichen Gang in die Hamstermühle, Mangas kauen den coolen, androgynen kindlichen Cyberpunk, die barly legal Lolita, das schöne Monster wieder, das Fernsehen impft uns mit Wiederholungen der stereotypen Unterhaltung, des Pseudoauthentischen, des Aktuellen in ewigen Wiederholungsschleifen. Gestylte Bildsprachen zu den Informationsrepetitionen hübscher Moderationsmodelle. Die Fronten der Oberflächen sind klar – die Dogmen verhärten – der Religionskampf tobt. Der Mainstream erzählt den Vereinsamenden, weltweit von den Umwegen zum vordefinierten Glück fruchtbarer heterosexueller Familienbildung.
Daneben wummern die Kühlschränke der schweren Goldketten, Sportswear, Flatscreens und
Teuren Cabrios, blankpolierte gestylte Ärsche im Groove um den Swimming Pool vor der kitschig historisierten Villa –
Darunter brodeln die Zeichenwelten der Bodenfanatiker mit Kreuzen, Kreisen und Fahnen, ihren stereotypen Haarschnitten den martialischen Jacken, mit Biergläsern, dem Hass und der Treue zu irgendeinem verlorenen Volk, zwischen all dem lungern die Töchter und Söhne einer verlorenen Revolution mit lässig über die Hüften hängenden Gürteln, spöttischem Lächeln im Gesicht, auf ewig Kampfbereit, in mit Graffitis gestylten Kellern, schwarz, rhetorische Kampfcodes schmetternd, die Kapuzen die den Kampf an die Häuser tragen wollen, dort wo die hellen Farben kinderfreundliche Toleranz den Gleichgesinnten gegenüber signalisieren soll, der Minivan und das Architektenkleinhaus den anständigen Erfolg signalisieren soll, die Mülltrennung und der Bioladen, Holzdesign, matte Farben, abgerundete Kanten, Psychodesign in allen Varianten, die Gesellschaftsschicht die sich ohne Widerspruch unter die Arroganz des Maßgeschneiderten gestellt hat. Derer die mit der Linienführung der Fortbewegungsmittel korrespondieren, der im zeitgenössischen Design über Hausdächern, unbesiegbar selbstbewusst, residierenden.
Über Allem schwebt der Elfenpfad des Catwalk mit der Fashionshow als perfekt inszeniertem
“Theatre of Sale“ wo entmenschlichte Wesen der Beschäftigung des Schwebens nachgehen.
Alles ummantelt mit der abstraktesten Kommunikationsform der Musik, dem Sound-Design mit Moden, Dress-Codes und dem dazugehörige Branding und Labeling.
Über die Erscheinungsform werden die Identitäten verhandelt. Gesellschaftliche Normierungen, Geschlechterrollen, Gruppen und „Haltungs-gemeinschaften“ definieren sich, unter anderem über ihre Dress und Mode-Codes , dem Oberflächendesign das „Zugehörigkeitszeichen“ setzt, genauso wie Sparchcodes und Wording..
Nachdem die Codes und gesellschaftlichen Codierungen der äußeren Erscheinungsform auf undifferenziertes Vokabular aufbauen sind die Erscheinungsformen scheinbar leicht zu instrumentalisieren. Die Verdichtung von Stereotypen deutet sowohl auf verstärkte Einflussnahme wie auf ein stagnierendes Gesellschaftssystem hin. In diesem Kontext vollzieht sich der permanente Akt der Selbstdefinition jedes/jeder Einzelnen. Und dort thematisiert sich auch der Wille der Macht diese Definitionsmechanismen zu steuern, kapitalistisch zu beherrschen.
Die Codierungen sind Grundlagen unserer Kommunikation und Navigation ohne die Überleben im speziellen, individuellen wie im allgemeinen, sozialen Gefüge nicht möglich währe. Gleichzeitig impliziert die Kodifizierung logischer Weise auch Grenzen und das Aufstellen von Limits. Das Problem hierbei sind nicht die Codes selbst sondern der angesprochene Machtwille zur Definition anderer. Der Modezwang korrespondiert mit dem Zwang zur Aktualität – wir leben in einer aktuellen Gesellschaft. Das Tempo ist hoch aber wir wissen dass es uns nirgendwo hin bringt.
Ich möchte das bekannte Zwiebelmodell des Menschen, der in Schichten von Innen nach Außen ohne klare Grenze zum Raum des/der Anderen, Existenz, Charakter, und Eigenschaften definiert als aktuell zutreffend bezeichnen.
Genauso wie in der gegenwärtigen Quantenphysik gibt es in diesem Modell keinen Kern in der Mitte, keine Nackte Existenz die sich in der Mitte versteckt hält. Die Schichten und deren Summe machen den Menschen aus, dessen äußere Schichten nicht mit der Haut des Körpers endet, sondern in Kleidung, äußeren Formen von Accessoires, Taschen, Haustieren und Fortbewegungsmittel wie Autos und Fahrrädern, mit Wohnungen und Häusern wie Gärten sich ihren erweiterten individuellen Existenzraum bilden. So ist die Lounge, die Bar, die Sphärenschicht einer persönlichen Extension eines Menschen, in den andere eintreten und in Kontakt treten können.
Im Lounge-Projekt greift das Set über Herstellung der Kommunikationssphäre hinaus die Person Jin Xing auf, die in Beijing einen Club betrieben hat. Ein biografischer Kontext in dessen Set das Publikum, die Gäste, Jin Xing als Gastgeberin ihres Clubs begegnen und auf scheinbar entspannter Ebene, in halbprivatem Zustand, mit ihr kommunizieren.
Die Lounge ist der Verhandlungsraum, ein „Bühnenset“ in dem die Grenzen zwischen Zuseher und Aktionsraum verschränkt und unklar sind und ständig wechseln können. Ein offener Raum in dem die Besucher, Gäste sind, die sich frei bewegen können, nicht für einen Vorbestimmten Zeitraum auf Zusehersessel gefesselt werden, sondern frei entscheiden können was er/sie sehen erleben und kommunizieren, bzw. kommuniziert bekommen möchte.
Dieses künstliche und abstrakte Set ist aber Erzeugerin einer Situation die durchaus „tricky“ ist.
Durch die Herstellung eines offenen Raums in dem sich nicht nur PerformerInnen und kommentierende Gäste vermischen, sondern auch Auftretenden und sich ausstellende Personen mit den traditionell als ZuseherInnen definierten Publikum ist eine Situation entstanden in der jede/r für sich seine Grenzen erst definieren muss die dann gehalten oder überschritten werden können. Die Banalität der Realität kann provozierend sein.
Was ist nun mit der Transgression
Transgression im Sinne der Überschreitung kann nur stattfinden, wenn zumindest zwei Dinge vorhanden sind. Einerseits ein Bewusstsein für Grenzen und Hindernisse, andererseits die innere Freiheit, den Abstand, über die vorhandenen Grenzen und systemischen Limits hinaus zu denken und fühlen. Natürlich bedarf es dazu noch des Willens und der Neugierde die definierte Grenze zu durchbrechen. Genau an diesem Punkt findet sich – in der Entscheidung zum Schritt, im ersten Schritt selbst oder auch in der Entscheidung zur Verweigerung des Schritts – der Moment der größten Freiheit.
Jede Transgression mag im Moment ein Durchbrechen sein. Im nächsten finden wir uns aber in einem anderen, eventuell neuen Codemuster wieder.
Das Codemuster hat sich also (nur) verschoben, vielleicht erweitert.
Wir bewegen uns wie die Ratten im Labyrinth, allerdings denke ich dass wir dabei Einfluss auf das Labyrinth selbst haben.
Die Verhandlung des Themas impliziert die Entscheidungen welchen Codemustern wir folgen, welche wir selbst im Stande sind zu schaffen, was wir in den dynamischen Lebensprozess einspeisen, welche Möglichkeiten wir uns selbst und anderen einräumen, welches Labyrinthmuster wir bauen. Freiheit lässt sich aber nur in der Dynamik in der Bewegung aufrechterhalten. Das Potenzial bemisst die Größe der Freiheit.
Transgression ist natürlich nicht nur –transgender- die Überschreitung der Geschlechtergrenzen –
Nebenbei bemerkt ja auch nicht neu in der Menschheitsgeschichte – Wenn sie auch auf den ersten Blick am radikalsten den menschlichen Drang zur Schrankenlosigkeit und Freiheit sichtbar machen kann. Aber auch das ist letztendlich nur eine Betrachtungsweise. So bleibt die Beobachtung, daß es in der Diskurszone der Kunst Thema ist. Trendwert hat, poppy, sexy ist u.s.w. – Wenn ich versuche zu ergründen warum sich das Thema verbreitert hat so schleicht sich ein unangenehmer Gedanke ein.
Wenn nach Phasen relativer, allgemeiner Freiheit der Betrachtung der Dinge, wie auch im politischen Gesellschaftsgefüge eine Freiheitsrezession eintritt, der Blick enger, angstvoller wird, die Akzeptanzschwellen höher werden erscheint das Thema am Diskurs-tableau sensiblerer Gesellschaftsgruppen, wird es als Pop im schicken Ambiente gefeiert. So war das vor 100 Jahren schon mal.
Über bleibt das menschliche Wesen und das ist immer echt.
Das Thema von Assymptoten eingekreist kann den BesucherInnen der Lounge die Möglichkeit bieten für einen Moment die abstrakte Existenz sichtbar zu machen.
Auf diesem Platz ereignet sich die Begegnung zweier Kulturen. Der einen die Freiheit, die sie nie ernsthaft erreichen konnte, im Rücken – die andere die Freiheit vor Augen – ein Meeting – Face to Face.
Freiheit mag manchmal schwer zu tragen sein aber sie ist das schönste Kleidungsstück das ich kenne. Das schönste daran ist dass sie nicht zu kaufen ist, sondern dass jede/r sie selbst machen muss.
Comment by TJJelinek July 7, 2009 @ 10:44 pm